
PG-Test: Hughes & Kettner Warp Factor
NuRockz Turbolader
ein Test von Hansi Tietgen
Nie waren Gitarrensounds so tief und dicht, wie in der nach wie vor
voll im Saft stehenden NuRock Ära. Doch wer sich schon einmal ernsthaft
darum bemüht hat, seinem Amp ähnlich "böse" Züge anzutrainieren,
wie sie im aktuellen Rock-Biz Gang und Gebe sind, der weiß: Trotz
Dropped Tuning und dicker Saiten ist das gar nicht so einfach! Wie auch?!
Schließlich werden die Scheiben der angesagten New Rocker nicht
nur mit hervorragendem, für einen normalsterblichen Musiker oft unerschwinglich
teurem Equipment eingespielt, sondern zu allem Überfluss auch noch
mit allerfeinsten Masteringtools bis an die Schmerzgrenze aufgeblasen.
Mit einem neuen Bodenpedal verspricht die Firma Hughes & Kettner jetzt
kostengünstige Abhilfe und präsentiert ein Tool, das viel mehr
kann als lediglich zu verzerren.
KK- Konstruktion und Konzept
Tatsächlich wäre der Warp Factor in der Schublade "Distortionpedal"
nur sehr unzulänglich einsortiert. Zwar ist die Basisfunktion des
schmucken Bodenpedals im Groben mit dem Begriff "Verzerrer" zu beschrieben.
Im Hintergrund laufen aber so komplexe Bearbeitungsroutinen ab, dass der
Warp Factor eher als kompaktes "Rundumsorglospaket" für Freunde des
ganz harten Riffings anzusehen ist, das bereits vorhandene Amps mit-ja
sagen wir es ruhig mal so- einem separaten Kanalzug versorgen kann. Die
hierfür nötige Elektronik findet in einem sehr stabilen, schwarz
lackierten Druckguss-Gehäuse platz, dessen Design dem Begriff "Tretmine"
alle Ehre macht. Für die nötige Standfestigkeit sorgen zwei
breite Moosgummiplatten auf der Unterseite. Die Bedienoberfläche
des Warp Factors besteht, neben dem robusten und knackfrei arbeitenden
Trittschalter, aus drei Reglern und einem zusätzlichen Taster zur
Aktivierung der "Sub-Funktion".Der Sub-Schalter boostet den Bottom-End
des Sounds bei 90 Hz und sorgt so für eine noch fettere Performance.
Dazu aber gleich mehr.
Die drei Regler sind für folgende Funktionen zuständig:
- Gain- Der "Knob" übernimmt die Gainregelung, bestimmt
also die Eingangsempfindlichkeit und damit den Grad der ausgegebenen
Verzerrung.
- Warp- Regelt den für die Gesamtperformance extrem wichtigen
Mittenanteil. Im Linksanschlag bewirkt der Warp-Regler den Boost eines
Frequenzbereichs von 250 Hz (Tiefmitten) bis 1 kHz (Hochmitten). Ein
Rechtsanschlag initiiert eine Absenkung der Mitten bei 500 Hz und eine
dezente Anhebung der Presence bei 3 kHz.
- Level- Dient der Anpassung des Ausgangspegel des Warp-Factors
Sound und Praxis
Das Konzept des Warp Factors basiert auf den Erfahrungen, die die Hughes
& Kettner Sounddesigner bei der Konstruktion des speziell auf die Ansprüche
des NuMetal Biz zugeschnittenen Warp 7 Amps gemacht haben. Mit dem klassischen
Vorschalt-Gerät Warp Factor bekommen Fans brachialer NewRock- Sounds
ab sofort die Möglichkeit, ihren bereits vorhandenen Amps einen,
speziell konfektionierten NuMetal HiGain Sounds zu "injizieren". Um eine
authentische Performance des Factors zu gewährleisten, sollte man
den zu verwendenden Amp auf jeden Fall im Clean-Modus fahren. In unserem
Test-Zyklus kam ein Fender Twin Reverb zum Einsatz. Ein Klassiker, der
im Normalbetrieb ja eher für seine coolen Clean-, und Blues-Sounds
bekannt sein dürfte, als für ein fettes Metal-Brett. (Alle Trax
des PG Gear Check wurden mit einer Music Man Axis Super Sport (2x DiMarzios)
mit einem 10er Saitensatz (010-046)eingespielt). Die Verkabelung erfolgt
so, wie es sich für ein klassisches Vorschaltgerät gehört.
Gitarre in den Warp-FactorInput und den Output mit dem Input des Amps
verbunden. Fertig! Da die innerhalb des Warp Factors ablaufende Signalverarbeitung
sehr anspruchsvoll ist und- wie eben schon erwähnt- auf den Preamp-Routinen
der Warp 7-Amps basiert, muss die schwarze Stomp-Box durch ein externes
14 Volt Netzteil mit Strom versorgt werden. Ein enstprechender Adapter
ist im Lieferumfang enthalten.
Nachdem die Klangregelung des Clean-Kanals des Fenders so neutral wie
eben möglich eingestellt wurde, aktiviert ein Tritt auf den Fußtaster
den Warp Factor. Die ersten Tests finden bei gemäßigter Zimmerlautstärke
und nicht aktiviertem Sub-Boost statt. Und schon in diesem Modus zeigt
der "Factor", was in ihm steckt. Schauen wir uns das Ganze mal im Detail
an. Der Gain Regler arbeitet sehr präzise und stellt ein breites
"Zerrspektrum" zur Verfügung.
TIPP: Im allgemeinen sollte man,
gerade beim Einsatz krasserer Tuning-Varianten (ein oder sogar zwei Ganztöne),
grundsätzlich weniger gainintensive Sounds fahren. Auf diese Weise
gewinnen die Riffs an Transparenz und Präzision.
Aber auch in dieser Hinsicht kann man sich getrost auf den Warp Factor
verlassen. Da sein Frequenzgang speziell auf den Einsatz in Verbindung
mit heruntergestimmten Klampfen abgestimmt wurde, bleibt der Sound zu
jeder Zeit sehr gut ortbar und transparent. Selbst dann, wenn man den
Tiefmitten mit Hilfe des Warp-Reglers ordentlich einheizt und den Gainpegel
bis zum Anschlag aufreist. Sehr angenehm ist die Tatsache, dass der Warp-Factor,
trotzt seiner Ausrichtung als Riff-Monster, auch einen sehr amtlichen
Lead-Sound liefert (siehe Audios PG Gear Check). Und das ganz ohne unangenehme
Bass-Hubs beim Saitenabdämpfen!
Der positive Eindruck bleibt auch dann erhalten, wenn man die Lautstärke
des Amps auf Proberaum-, bzw. On Stage Niveau erhöht. Der Fender
geht die Power des Warp Factors ohne murren mit und macht selbst bei aktiviertem
Sub-Boost eine gute Figur. Der Sub-Schalter boostet den Bottom End des
Sounds bei ca. 90 Hz und "simuliert" so die Resonanzfrequenz einer, gerade
in Metaller-Kreisen, sehr beliebten 4x12" Box- macht die Performance also
noch dichter und fetter. Der Effekt ist allerdings mit Vorsicht zu genießen
und sein erfolgreicher Einsatz ist unmittelbar vom gerade verwendeten
Amp abhängig. Ein kleiner Übungsamp mit einem 10" Speaker, kommt
bei aktiviertem Sub-Boost naturgemäß schnell an seine Grenzen,
während ein wohldimensionierter Combo-Amp oder ein Halfstack, das
Anheben dieses Frequenzbereich problemlos mitmacht. Trotzdem hat es uns
interessiert, wie sich der Warp-Factor in Verbindung mit einem Standard-Übungsamp
macht. Also schnell den bewährten Crate GTX 15 ausgepackt, den Clean-Kanal
gewählt, den Warp Factor verkabelt und schon geht´s los. Und......kein
Thema. Ohne den aktivierten Sub-Boost ist der "Kleine" problemlos in der
Lage, den Sound des "Factors" an die Luft zu bringen. Und das auch bei
großen Lautstärken.
Fazit
Den Warp Factor lediglich als Verzerrer zu bezeichnen, wäre einwandfrei
zu wenig. Vielmehr liefert das Bodenpedal, in Kombination mit dem Clean-Kanal
eines vorhandenen Amps, einen Sound, der als absolut eigenständiger
Kanalzug angesehen werden kann- mit der klaren Tendenz zur dunklen Seite
des Rocks. Tatsächlich werden New Rock und Nu Metal Freaks von der
drückenden Performance des kompakten Helferleins begeistert sein.
Auch die Verwendung krasserer Tuning Varianten (z.B. zwei Ganztöne
runter, oder 7-String Gitarre) ist, dank speziell angepasster Features,
problemlos und ohne Transparenzeinbußen möglich. Wem das immer
noch nicht genug ist, dem kann ein Druck auf den Sub-Taster und die damit
verbundene Anhebung im 90 Hz Bereich , zu einem noch fetteren, noch böseren
Riffsound verhelfen. Trotz der angepeilten Zielgruppe, liefert der Warp
Factor bei leicht reduziertem Gain und einigen Experimenten mit dem präzise
arbeitenden Warp-Regler (speziell angepasster Mittenregler), ein sehr
breites Spektrum cooler Zerrsounds und ist so durchaus in der Lage, auch
gemäßigtere Rocker zufrieden zu stellen . Aber auch für
Top 40 Musiker, die, neben der obligatorischen Anastacia Nummer, auch
populäre NewRock Chartbreaker,wie Nickelbacks How You Remind Me zum
Besten geben müssen, dürfte der Warp Factor ein Tipp sein.
Specs
Hersteller: Hughes & Kettner
Modell: Warp Factor
Typ: Bodeneffekt/Verzerrer mit Preamp-Ambitionen
Eingangsempfindlichkeit: -14 dB
Eingangsimpendanz: 1M Ohm
Ausgangspegel: +6 dB
Ausgangsimpedanz: 3K Ohm
Max. Stromaufnahme: 180 mA
Spannungsversorgung: 14 V (Netzteil im Lieferumfang enthalten)
Regler:Gain, Warp, Level
Schalter: An/Aus Fußtaster, Sub-Schalter
Anschlüsse: Input, Output, Adapter-Buchse
Gewicht: 700 g
Abmessungen: 170 (B)x 40 (H)x 167 (T) mm
Preis: € 149,- unv. Preisempfehlung
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